Canto Ergo Sum

Im Jahr 2012 jährte sich die Gründung des Gemischten Chores „Canto Ergo Sum“ zum zehnten Mal. Dieses Jubiläum ist Anlass und Grund für diese kurze Chronik, die nicht nur aus der Erinnerung eines Gründungsmitgliedes des Chores geschrieben wurde. Bereits kurz nach der Gründung des Chores entstand das

Chor

Chor-Archiv als Sammlung von Programmheften, Konzertplakaten, Mitgliederlisten und Protokollen der Mitgliederversammlungen. Außerdem führte ich in Form eines Tagebuches eine Chronik, die hier in einer verkürzten Fassung vorgelegt wird. Die Geschichte des Gemischten Chores „Canto Ergo Sum“ begann in einem anderen Chor.

Zunächst trafen sich einige Mitglieder und der damalige künstlerische Leiter des Gemischten Chores „Ernst Moritz Arndt“, Wolfgang Roterberg, zu Extraproben im FEZ in der Wuhlheide. Der sogenannte „Kleine Chor“ sollte ein eigenes Repertoire erarbeiten, um den gewachsenen Ansprüchen insbesondere der jüngeren Chorsängerinnen und -sänger des Gemischten Chores „Ernst Moritz Arndt“ gerecht zu werden und die Programme des Gemischten Chores „Ernst Moritz Arndt“ zu bereichern. Die Reaktion des Chorvorstandes und der übrigen Chormitglieder war jedoch sehr negativ. Man fühlte sich übergangen und ausgegrenzt. Diese Entwicklung kulminierte in einer Mitgliederversammlungdes Gemischten Chores „Ernst Moritz Arndt“, in der die Mehrheit Wolfgang Roterberg das Misstrauen aussprach. Damit war nicht nur die Zusammenarbeit des künstlerischen Leiters Wolfgang Roterberg mit dem Gemischten Chor „Ernst Moritz Arndt“ beendet, sondern auch der Entschluss zur Gründung eines eigenen Chores besiegelt.

Sopran

Am 07. November 2002 gründeten in den Räumen des Heinrich-Schliemann-Gymnasiums in Berlin-Prenzlauer Berg nicht nur die Teilnehmer der Extraproben des „Kleinen Chores“, sondern alle ehemaligen Mitglieder des Gemischten Chores „Ernst Moritz Arndt“, die weiter unter der künstlerischen Leitung von Wolfgang Roterberg singen wollten, einen neuen Chor. Man einigte sich – nicht ohne Einwände und Bedenken – auf den Chornamen „Canto Ergo Sum“ in Anlehnung und Abwandlung des berühmten Zitates „cogito ergo sum“ des französischen Philosophen Descartes. Schnell bürgerten sich die Kürzel „CES“ für den Chor und „CESsies“ oder „CESler“ für seine Sängerinnen und Sänger ein. Zu den ersten Vorstandsmitgliedern wurde u.a. Steffi Lindemann gewählt. Sie prägt seit damals die Vorstandsarbeit unseres Chores mit ihrer ruhigen und ausgleichenden Art, die so manche Konflikte zwischen einzelnen Vorstandsmitgliedern oder zwischen Vorstandsmitgliedern und dem künstlerischen Leiter bzw. der künstlerischen Leiterin entschärfte. Weitere Gründungsmitglieder, die – außer Steffi und mir – bis heute in unserem Chor singen, sind Karin Kempf, Ute Bein, Matthias Nicolai, Andreas Wichmann, Dagmar Burgener und Falk Liebers. Insgesamt hatte der Chor bei seiner Gründung 42 singende Mitglieder.

Höhepunkt in der Zusammenarbeit mit Wolfgang Roterberg war der Auftritt im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie am 09.05.2004 im Rahmen der Sonntagskonzertreihe des Berliner Chorverbandes. Der Chor errang sich damit einen anerkannten Platz in der Berliner Chorlandschaft und erntete durchweg ein sehr positives Echo und viel Lob. Der Chor präsentierte sein ganzes Können. Vor allem die Aufführung der „Three Shakespeare Songs“ von Ralph Vaughan Williams war Ausdruck dessen und für einen Laienchor sehr bemerkenswert. Sehr gern denke ich aber auch an unsere erste Chorreise nach Aschersleben mit den Auftritten in der Stephanikirche im Rahmen des Sachsen-Anhalt-Tages 2004 sowie im Kloster Jerichow zurück.

Alt

Mit einem professionellen Toningenieur produzierte der Chor 2004 seine bislang einzige CD (wenn man von den Konzertmitschnitten durch Chormitglieder einmal absieht), die das ganze, sehr breite Spektrum des Repertoires abbildet – von geistlicher bis weltlicher Chormusik, vom 16. bis zum 20. Jahrhundert, von den Motetten Monteverdis bis hin zu den sehr anspruchsvollen Volksliedbearbeitungen Rolf Lukowskys. Wolfgang Roterberg war ein sehr erfahrener Chorleiter, der sich seit mehr als 25 Jahren vor allem mit dem „Carl-von-Ossietzky-Chor“ einen Namen in der Berliner Chorlandschaft erworben hatte. Seine sehr effektive, ja akribische Probenarbeit sorgte dafür, dass der Chor optimal vorbereitet in ein Konzert ging.  Seit 1996 war Wolfgang Roterberg mein Chorleiter gewesen, bei dem ich unendlich viel gelernt habe und der mich als Chorsänger stark geprägt hat, insbesondere durch sein Streben nach immer besserer Leistung bis hin zur Perfektion. Mit dem letzten Adventskonzert unseres Chores im Dezember 2004 in der Kirche auf dem Gelände des Krongutes in Potsdam-Bornstedt endete eine überaus erfolgreiche Zeit von Wolfgang Roterberg als künstlerischem Leiter unseres Chores. Mit einer wunderschönen Geste verabschiedete sich der Chor von ihm: jede Sängerin, jeder Sänger überreichte ihm eine Rose. Es sollte ein Abschied nicht nur von unserem Chor, sondern auch von der Berliner Chorlandschaft sein, die er mehr als ein Vierteljahrhundert mitgeprägt hatte.

Als seine Nachfolgerin hatte sich Wolfgang Roterberg stets für Yvonne Sterzenbach ausgesprochen. Sie hatte bereits im Gemischten Chor „Ernst Moritz Arndt“ als Assistentin und Stimmbildnerin eng mit Wolfgang Roterberg zusammen gearbeitet.

Leider zierte sie sich zunächst und konnte sich nicht zu einem eindeutigen „Ja“ durchringen. Darum war der Chorvorstand gezwungen, die Stelle des neuen künstlerischen Leiters auszuschreiben. Neben Yvonne kamen drei weitere Kandidaten für die Roterberg-Nachfolge in die engere Wahl. Alle Kandidaten hatten die Möglichkeit, sich bei einer von ihnen geleiteten Probe vorzustellen und ihre Fähigkeiten unter Beweis  zu stellen. Am Ende konnte nur Yvonne überzeugen, dass sie die Einzige ist, die in die großen Fußstapfen von Wolfgang Roterberg passte. Ihre großen Fähigkeiten lassen darüber hinwegsehen, dass man nach der Zeit, in

Tenor und Bass

der unsere Proben beginnen, besser nicht seine Uhr stellen sollte, wenn man immer pünktlich sein will… Zum Glück überwand sie auch ihre eigenen Bedenken und nahm die Herausforderung als neue künstlerische Leiterin unseres Chores im Januar 2005 an. Die Konzerte mit ihr machen einen ungeheuren Spass, denn sie strahlt eine Lockerheit aus, die sich auch sehr positiv auf die Chorsängerinnen und -sänger überträgt. Außerdem fasziniert mich ihre Leidenschaft für Musik und ihre Offenheit für alle Genre; ja für Genre, die sich nach in Deutschland landläufiger Meinung gegenseitig ausschließen. Aber diese Unterscheidungen in  E- und U-Musik, das habe ich von Yvonne gelernt, sind falsch. Darum hatte sie – leider im Gegensatz zu so mancher Sängerin bzw. so manchem Sänger in unserem Chor – auch keine Berührungsängste, mit dem Chor als Background in den Veranstaltungen des Symphonic-Pop-Orchestras mitzuwirken und Arrangements von Klassikern der Rock- und Popmusik wie z.B. „Bohemian Rhapsody“ von Queen oder „Thank You For The Music“ von ABBA zu singen.Es gelang ein nahtloser Übergang von einem Chorleiter zu einem – pardon, Madame! – zu einer anderen. Yvonne steht nicht nur für einen Neuanfang, sie steht auch für Kontinuität. Es ist selbstverständlich, dass sie ihre eigenen künstlerischen Konzepte umsetzt und neue Schwerpunkte im Repertoire setzt.

Aber bis heute geblieben ist die Vielseitigkeit des Chores. Das Repertoire wurde nicht verengt, sondern ist weiter sehr breit. Leider zwang auch die Mitgliederentwicklung dazu, das Repertoire daran anzupassen. Acht-stimmige-Chorsätze sind mit der derzeitigen Besetzung nicht aufführbar. Yvonne versteht es dennoch, auch unter diesen schwierigen Bedingungen den Anspruch des Chores, mit dem wir einst gestartet sind, nicht zu aufzugeben. Davon zeugen Madrigale wie z.B. „Lasciate mi morire“ von Claudio Monteverdi oder das „Ave Maria“ von Orban.

Welche Erinnerungen bleiben mir besonders haften aus den letzten sieben Jahren in unserem Chor? Besonders gern denke ich an unsere erste Auslandsreise im Mai 2005 in das litauische Jurbarkas zum Chorfestival zu Ehren des in Litauen sehr verehrten Nationalkomponisten Stasio Simkaus zurück. Ein wichtiger Meilenstein war auch unsere erste Teilnahme an einem internationalen Chorwettbewerb. Ende November 2008 stellte sich der Chor nicht nur internationaler Konkurrenz, sondern auch dem strengen Urteil einer Fachjury und errang beim Internationalen Chorwettbewerb für Weihnachtsmusik „Petr Eben“ in Prag eine beachtliche Bronzemedaille. Was erhoffe ich mir für die Zukunft? Nun, ich wünsche mir seltener Proben als „Solist“ im Tenor! Neue Sängerinnen und Sänger sind herzlich willkommen. Der Chor braucht auch immer wieder neue Höhepunkte. Jedes Konzert ist natürlich schön. Aber man zehrt als Chorsängerin und -sänger von den besonderen Erlebnissen einer Chorreise oder eines Wettbewerbs. Sehr gern würde ich auch wieder in der Berliner Philharmonie singen. Das in diesem Jahr 2012 begonnene Chorprojekt mit dem „Konzertchor Berliner Pädagogen“ und der „Singegemeinschaft Märkisches Ufer“ ist der richtige Schritt in diese Richtung. Darum blicke ich zuversichtlich in die Zukunft und erwartungsfroh auf die nächsten 10 Jahre des Gemischten Chores „Canto Ergo Sum“.